„Ich wollte schon im Sandkasten Chefin sein“

von Pia Windhövel

Beim Frauen-Wirtschaftsforum des Kompetenzzentrums Frau und Beruf Düsseldorf und Kreis Mettmann und der IHK Düsseldorf trafen sich zum sechsten Mal weibliche Fach- und Führungskräfte, um sich über berufliche Perspektiven auszutauschen. Eine Essenz lautete: Frauen müssen sichtbarer werden, Unternehmen müssen weibliche Karrieren fördern.

Von links: Tijen Onaran, Global Digital Women and starup affairs, Dr. Ulrich Biedendorf, Geschäftsführer der IHK Düsseldorf; Ina Scharrenbach, NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung; Ulrike Hillebrand-Bekking, Kaufmännische Leitung Zukunftswerkstatt Düsseldorf, Vera Calasan, CEO / Vorstandsvorsitzende der Excellence AG – German Enineering; Dorothea Körfers, Leiterin Kompetenzzentrum Frau und Beruf Düsseldorf und Kreis Mettmann

Vera Calasan, Vorstandsvorsitzende der von ihr gegründeten Excellence AG – German Engineering, wusste schon früh, was sie wollte. „Ich habe schon beim Spielen im Sandkasten gesagt, dass ich mal Chefin werden möchte“, erzählte sie in ihrer Keynote „Mit Fokus an die Spitze – Wie Frauen weiterkommen“ beim 6. Frauen-Wirtschaftsforum bei der IHK in Düsseldorf. Im Grunde umriss sie mit der Anekdote, worum es bei dem jährlichen Treffen von Geschäftsführerinnen, Personalverantwortlichen, Unternehmensgründerinnen und anderen weiblichen Führungskräften geht: sich selbst etwas zutrauen, dafür kämpfen und nicht darauf warten, dass andere einem den Aufstieg ermöglichen. Rund 100 Gäste waren am 26. September gekommen, um sich auszutauschen und die eigenen Netzwerke auszubauen und zu festigen. In den Seminaren wurde darüber diskutiert, wie Unternehmen in Zeiten von Digitalisierung mit mehr Vielfalt in den Belegschaften erfolgreich sein können und wie Frauen sich und ihrer Arbeit mehr Sichtbarkeit verschaffen können, damit sie schließlich die Karriereleiter ebenso leicht erklimmen können wie die männlichen Kollegen.

Dorothea Körfers, Leiterin des Kompetenzzentrums Frau und Beruf Düsseldorf und Kreis Mettmann, betonte in ihrer Begrüßung, dass der Schlüssel zu mehr weiblichen Führungskräften in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie liege. „Gerade die kleinen und mittleren Unternehmen müssen den Frauen in dieser Hinsicht attraktivere Angebote machen, denn sie sind auf weibliche Fachkräfte angewiesen.“ Dr. Ulrich Biedendorf, Geschäftsführer der IHK Düsseldorf, verwies darauf, dass die Digitalisierung eine Chance biete, da sie zum Beispiel Arbeiten im Home-Office erleichtere und den Frauen damit mehr Flexibilität ermögliche. „Vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels ist es ein großes Problem, das Potenzial einer so großen gesellschaftlichen Gruppe wie der Frauen nicht ausreichend zu nutzen“, sagte Biedendorf.

„Sorgen Sie dafür, dass man sie kennt“

Auch Ina Scharrenbach, NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, appellierte an die Frauen, die heute „zurecht“ einen Führungsanspruch hätten, ihren Aufstieg in die eigene Hand zu nehmen. „Frauen müssen über Steine, die auf ihrem Weg liegen, selber springen. Das nimmt ihnen niemand ab.“ Sie machten die besseren Abschlüsse als Männer, und doch bliebe ihnen häufig der Sprung nach ganz oben verwehrt. „Das hat natürlich zum einen damit zu tun, dass noch zu viele junge Frauen Erzieherin oder Friseurin werden statt technische Berufe zu ergreifen. Zum anderen machen sich noch zu wenige Frauen selbstständig.“ Als sie bei einer Preisverleihung für Architekten war, erzählte sie, waren die Gewinner ausschließlich Männer, obwohl inzwischen rund die Hälfte der Architekturstudenten weiblich seien. „Das bedeutet, wir brauchen einen Architektinnen-Preis“, sagte Scharrenbach, die ebenfalls an die Frauen appellierte, sichtbarer zu sein, mehr für sich einzustehen.

Einen lebhaften Einblick in den immer noch steinigen Aufstieg in der männerdominierten Berufswelt gab Vera Calasan, die trotz des Willens zum Chefinsein immer wieder an Grenzen stieß. Als sie noch als Angestellte mit Kollegen ihrer damaligen Firma aus der Tech-Branche auf der Messe IFA in Berlin war, trat ein Mann an den Stand und sagte: „Sind Sie hier nur so eine Messemieze, oder können Sie mir Auskunft geben?“ Das Gelächter im Saal klang wissend. Als sie später Deutschland-Chefin eines US-Unternehmens war und dachte, „dass ich allein Entscheidungen treffen kann“, habe ihr der Europa-Chef erklärt, dass sie nicht da sei, um Entscheidungen zu treffen, sondern um das zu tun, was der CEO will. „Daraufhin habe ich gesagt, dass ich dann absolut überbezahlt bin, und habe beschlossen, ein eigenes Unternehmen zu gründen.“ Auch ihr Appell lautet: „Sorgen Sie dafür, dass man sie kennt, und kämpfen Sie für Ihre eigenen Interessen, nicht nur für die des Unternehmens.“

„Wir müssen uns gönnen, voneinander zu lernen“

Nach dieser Einführung konnten die Besucherinnen zwischen drei Seminaren wählen. Vivian Stürmann, Chefin der Düsseldorfer PR-Agentur zeron, sprach über „Headline, Subline, Aufmerksamkeit. Einfache Tipps zum Texten im Web“ und betonte die Wichtigkeit von suchmaschinenoptimierten Schlagwörtern, um schnell bei Google gefunden zu werden. Tijen Onaran, Gründerin des Netzwerks Global Digital Women und startup affairs, dozierte über „Personal Branding als Karriereturbo – Sichtbarkeit schaffen für die eigene Leistung“ und hob dabei die Bedeutung der sozialen Medien hervor, insbesondere Twitter. Unter dem Titel „Digitalisierung und Diversity: Chance für Veränderung in KMU“ erklärte die Soziologin Prof. Dr. Christiane Funken von der Technischen Universität Berlin, dass junge Hochqualifizierte, egal ob Männer oder Frauen, heute eine gesunde Work-Life-Balance wollten und dies häufig über das Streben nach Macht stellten. Unternehmen müssten sich darauf entsprechend einstellen.

Petra Pawig, beim Düsseldorfer Flughafen zuständig für betriebliches Gesundheitsmanagement, kam bislang zu jedem Frauen-Wirtschaftsforum und hat auch dieses Jahr wieder viel mitgenommen. „Ich bin dankbar für neue Impulse. Frauen müssen mutiger werden und sich besser verkaufen.“ Für Eva-Christina Bergmeister vom Unternehmen anyMotion hat das Wirtschaftsforum gezeigt, „dass wir Frauen uns gönnen müssen, voneinander zu lernen.“

Autorin: Gesa van der Meyden

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