7. Frauen-Wirtschaftsforum: „Wir müssen das alte System aufbrechen“

von Andrea Lützenkirchen

Autorin: Gesa van der Meyden

Beim 7. Frauen-Wirtschaftsforum Women2BUSINESS diskutierten Unternehmerinnen, Personalchefinnen und junge karriereambitionierte Frauen auf Einladung des Kompetenzzentrums Frau und Beruf Düsseldorf und Kreis Mettmann und der IHK Düsseldorf Wege und Strategien, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Tenor: Es wird besser, aber zu langsam.

Der Saal war voll, die Stimmung gespannt. Dorothea Körfers, Leiterin des Kompetenzzentrums Frau und Beruf, verwies darauf, dass die Gleichstellung von Frauen etwa bei der Besetzung von Führungspositionen trotz Fortschritten immer noch „im Schneckentempo“ vorangehe. „Dabei verbessern Frauen die Unternehmensergebnisse relevant. Bei den Themen Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Rückkehr aus Elternzeit und Karriereverlauf haben wir aber noch einen langen Weg vor uns“, betonte sie.

Dagmar Rosenfeld, Gregor Berghausen und Dorothea Körfers
Foto: Linda Hammer

Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, sagte in seinem Begrüßungswort, dass es in der Region überdurchschnittlich viele erwerbstätige Frauen gebe. „Das liegt auch daran, dass der Anteil der Dienstleistungsberufe bei uns sehr hoch ist. Wir sind auf einem guten Weg, aber es gibt noch viel Luft nach oben. Deshalb sind Veranstaltungen wie das Frauenwirtschaftsforum so wichtig.“ Traditionell folgte auf die Begrüßung die Keynote-Speakerin, die eine besondere Verbindung zu Ernst Schneider hat, dem ehemaligen Präsidenten der IHK Düsseldorf, da sie 2005 den nach ihm benannten Journalistenpreis gewann. Heute ist Dagmar Rosenfeld Chefredakteurin der Zeitung „Die Welt“.

Die studierte Historikerin und Germanistin sagte, dass sie immer wieder nach ihren Vorbildern gefragt werde. Ihre Antwort: sie habe keine. „Ich halte es mit Judy Garland, die gesagt hat: Sei die erstklassige Ausgabe deiner selbst, nicht die zweitklassige eines anderen.“ Das wichtigste Ziel sei es, authentisch zu sein. Frauen sollten nicht versuchen, „der bessere Kerl“ zu sein, sondern sie selbst bleiben. Sie halte wenig davon, sich in einer Opferrolle zu sehen oder auf eine Quote zu setzen. „Stattdessen müssen Frauen netzwerken und weibliche Talente unterstützen. Sie müssen sie befördern und ihnen auch danach noch zur Seite stehen. Nicht nach dem Motto: Ich habe den Krieg erlebt, also musst du das auch.“ Sie persönlich habe einfach beschlossen, nicht wegzugehen. „Nach dem Ende meines Praktikums, nach dem Ende eines befristeten Vertrags bin ich immer wieder gekommen, erschien jeden Tag im Büro. So gehörte ich irgendwann dazu.“

„Ein Kind ist die Sollbruchstelle für weibliche Karrieren“

Anschließend verteilten sich die Besucherinnen auf drei Seminare, die das Thema Frauen und Karriere aus verschiedenen Perspektiven beleuchteten. Beatrix Henseler, Management-Trainerin und Beraterin, sprach unter dem Titel „Werte, Worte und Taten: Wie interne Kommunikation zum Erfolgsfaktor wird“ über Unternehmenskultur, und dass diese den Mitarbeitern ein Umfeld schaffen müsse, in dem sie sich aufgehoben und gewollt fühlen. Nur so sei es Unternehmen möglich, gute Leute zu bekommen und zu halten. Frauen dürften nie den Eindruck bekommen, Kollegen zweiter Klasse zu sein. „Eine erfolgreiche Kommunikation muss sich nach der Zielgruppe richten. Man kann nicht nicht kommunizieren: auch die Nicht-Ansprache der weiblichen Mitarbeiter ist eine Aussage“, sagte die frühere Managerin.

„Es ist die Unternehmenskultur, die den Unterschied macht“. Beatrix Henseler
Foto: Linda Hammer

Margret Tewes, Leiterin Zentrum Frau in Beruf und Technik, behandelte in ihrem Vortrag „Frauen gehen in Führung: Cross-Mentoring als Chance für KMU“ das Thema Beratung. Mentoring leiste unter anderem „die Entwicklung von strategischem Denken, die Erweiterung des Horizonts durch Perspektivwechsel und die Reflexion schwieriger Situationen im Berufsalltag“. Ein Mentor oder eine Mentorin könne dem Mentee im beruflichen Umfeld einen offenen, vertrauensvollen Austausch ermöglichen und ihn so zu mehr Eigeninitiative ermutigen. Davon profitiere am Ende das Unternehmen als Ganzes.

Viel Erfahrung mit Cross-Mentoring: Margret Tewes
Foto: Linda Hammer

Der einzige männliche Redner, Robert Franken, Digital und Diversity Consultant, der sich als male feminist vorstellte, widmete sich in seinem Seminar „Die Teufelskreise der ,Frauenförderung‘ – New Work braucht neue Mindsets“ den immer noch patriarchalisch geprägten Rahmenbedingen, mit denen Frauen zu kämpfen haben. Da diese immer noch den Großteil der Care-Arbeit übernähmen, also die Kindererziehung, den Haushalt oder das Pflegen von Angehörigen, sei es ihnen schlicht nicht möglich, beruflich ähnlich weit zu kommen wie Männer. Ein Kind sei die „Sollbruchstelle für weibliche Karrieren“. Zudem gäbe es im Verteilen von wichtigen Posten eine „homosoziale Reproduktion“. „Pinguine stellen Pinguine ein“. Sprich: Männer stellen Männer ein. Das System, das beständig Ungerechtigkeit zementiere, müsse aufgebrochen werden und sich anpassen, nicht die Frauen. „Stop fixing women! Frauenförderung impliziert mitunter, dass Frauen ein Defizit hätten. Das ist schlicht falsch.“

Vortrag Robert Franken
Starkes Engagement für Frauen: Robert Franken
Foto: Linda Hammer

„Nicht freiwillig in die zweite Reihe begeben“

In der abschließenden Diskussion „New Work: Chance für Frauen oder Zementierung eines Stereotyps“ betonte die Geschäftsführerin des Familienunternehmens Credo, Gabriele Kracht, dass der Erfolg in erster Linie von den Mitarbeitern abhänge. „Sie müssen sich wichtig fühlen. Ich kenne jeden, weiß, wie viele Kinder er oder sie hat. Sie können im 7 Uhr kommen oder um 11 Uhr – ich vertraue ihnen, dass Sie ihre Arbeit machen, und das funktioniert wunderbar.“

Vorbildunternehmerin: Gabriele Kracht von Credo
Foto: Linda Hammer

Jenny Resch, Personalentwicklerin bei den Stadtwerken, nimmt viel mit vom Frauen-Wirtschaftsforum. „Ich habe viele spannende Impulse bekommen, die ich in meine Arbeit einfließen lassen werde. Insbesondere wenn es darum geht, wo wir Frauen helfen und ihre Situation verbessern können.“ Auch Dagmar Schulz, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung 1a-STARTUP, schätzt den Austausch mit anderen Frauen in Führungspositionen. „Ich stimme Dagmar Rosenfeld zu, dass wir Frauen uns nicht nach anderen richten und selbstbewusst sein sollten. Gestandene Frauen sollten den jüngeren ein Vorbild sein und sie ermutigen, sich nicht freiwillig in die zweite Reihe zu begeben.“

Autorin: Gesa van der Meyden

ZURÜCK