AAC Kabelbearbeitungssysteme: Guter Kontakt im kleinen Team

von Carolin Scholz

AAC Kabelbearbeitungssysteme: Britta Worbs und ihr Vater, Martin Worbs

AAC in Heiligenhaus steht mitten im Generationenwechsel. Britta Worbs übernimmt von ihrem Vater und bringt viele neue Themen mit ins Unternehmen: Mentale Gesundheit, Flexibilität und bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben.

„Die Mitarbeitenden haben mir den Einstieg leicht gemacht“, sagt Britta Worbs. Sie habe immer wieder gehört, dass es bei der Firmennachfolge in anderen Unternehmen manchmal Angestellte gibt, die es der neuen Generation schwer machen. Das gab es bei ihr nicht. Das Unternehmen AAC Kabelbearbeitungssysteme GmbH in Heiligenhaus befindet sich noch immer mitten im Generationenwechsel. Seit Britta Worbs 2020 in die Geschäftsleitung eingestiegen ist, hat sie bereits einige neue Themen mitgebracht – mehr Fokus auf Flexibilität etwa und mehr Frauen in der Belegschaft.

AAC Kabelbearbeitungssysteme: Guter Kontakt im kleinen Team
Enge Absprachen sorgen für einen reibungslosen Arbeitsablauf. Foto: Melanie Zanin

Bei AAC arbeiten Menschen im Vertrieb, außerdem gibt es einen technischen Bereich. Das Unternehmen, das 1992 von Britta Worbs’ Vater Martin Worbs gegründet wurde, hat sich auf Systeme zur Kabelbearbeitung spezialisiert. Vertrieben wird alles von der kleinen Handzange, die man von zuhause kennt bis hin zu vollautomatischen Produktionseinrichtungen. Auch Reparatur und Wartung bietet das Unternehmen an, außerdem Schulungen zu Techniken der Kabelbearbeitung.

Neue Generation bringt neuen Fokus ins Unternehmen

Aktuell führt Britta Worbs das Unternehmen noch gemeinsam mit ihrem Vater, der sich in den kommenden zwei bis drei Jahren ganz zurückziehen will. „Ich bin aber sehr froh, dass er noch da ist.“ Dass sie als neue Generation neue Themen mit ins Unternehmen bringt, findet sie ganz normal. Eines davon ist der Fokus auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Wir versuchen einfach, dass unsere Mitarbeitenden flexibel sein können – egal in welcher Lebensphase sie gerade sind“, sagt Britta Worbs. Natürlich brauchen die, die Kinder haben, Flexibilität ganz besonders, ein paar Mitarbeiter sind gerade Opa geworden. Die wünschten sich, dass sie am Aufwachsen ihrer Enkelkinder teilhaben und auch mal einspringen können.

AAC Kabelbearbeitungssysteme: Guter Kontakt im kleinen Team - mit Hund-Ausschnitt
Sorgt für gute Stimmung im Team: der Irish Setter Paul Foto: Melanie Zanin

Das Team ist, was das Alter betrifft, gut durchmischt. Ein Drittel stehe kurz vor der Rente, ein Drittel mitten im Arbeitsleben und das dritte Drittel habe gerade erst angefangen. Besonders bei AAC: Viele Mitarbeitende bleiben dem Unternehmen lange erhalten. Das bedeute auch, dass man sich gut kennengelernt hat. „Da hat man viele Dinge, die im Privatleben passiert sind, einfach mitbekommen.“ Eine Trennung etwa oder den Tod eines Angehörigen. Dabei sei das Vertrauensverhältnis stetig gewachsen – die Mitarbeitenden wissen, dass sie mit ihren privaten Herausforderungen auf ihre Führungskraft zugehen können.

Jüngere Mitarbeitende könnten sich das abschauen. „Die sehen natürlich, dass ihre Kolleginnen und Kollegen mit ihren Themen auf uns zugehen.“ Aber: „Ich zwinge niemanden, mir sein Herz auszuschütten“, sagt Britta Worbs. Wenn jemand mal einen privaten Notfall habe, könne er auch schnell darauf reagieren ohne erzählen zu müssen, was genau passiert ist.

Mentale Gesundheit: Mitarbeitende bekommen schnelle Unterstützung

Ein Thema, das Britta Worbs besonders am Herzen liegt, ist mentale Gesundheit. Das hängt auch mit Erfahrungen aus ihrem persönlichen Umfeld zusammen. „Ich habe da schon gesehen, wie schnell es einem den Boden unter den Füßen wegziehen kann. Und wie lange es dauern kann, bis man Hilfe bekommt“, sagt sie. Als Arbeitgeberin wolle sie für schnellere Unterstützung sorgen. Durch ein entsprechendes Programm bekommen Mitarbeitende innerhalb von kurzer Zeit einen Termin mit einem Psychologen oder einer Psychologin. Außerdem können sie an Kursen zur mentalen Gesundheit teilnehmen. „Es beruhigt mich zu wissen, dass sie das in Anspruch nehmen könnten, wenn es bei ihnen mal nicht mehr geht.“

Ein guter Kontakt zu den Mitarbeitenden ist ihr wichtig. Das beginnt schon im Bewerbungsprozess. Sie lade nahezu alle Bewerbenden erst einmal ein, um den Menschen hinter der Bewerbung kennenzulernen. Das sei für sie wichtiger als Noten oder formale Kriterien. „Das hat mein Vater schon vor zehn Jahren so gemacht.“ Auch für ihn seien Quereinsteiger immer willkommen gewesen. Ein Mitarbeiter sei etwa ursprünglich Schlachter gewesen und habe nur übergangsweise einen Job gesucht. Mittlerweile arbeitet er seit knapp zehn Jahren im Vertriebsinnendienst bei AAC.

AAC Kabelbearbeitungssysteme: Guter Kontakt im kleinen Team - Lagebesprechung
Gutes Betriebsklima und flache Hierarchien: Britta Worbs mit einem Mitarbeitenden Foto: Melanie Zanin

Quartalsweise werden die Mitarbeitenden zu ihrer Zufriedenheit befragt

Aber auch später will Britta Worbs wissen, was die Mitarbeitenden bewegt. Deshalb führt sie seit diesem Jahr quartalsweise Befragungen durch. Ein erster Teil befasst sich allgemein mit der Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Der zweite Teil wechselt und beschäftigt sich mit unterschiedlichen Themen. Als es da vor einiger Zeit um die Benefits ging, die das Unternehmen anbietet, hat ein Mitarbeiter vorgeschlagen, einen Zugang zu Sprachkursen anzubieten. Daraufhin hat AAC ein Lizenzpaket der Sprachlern-App Babbel gebucht, sodass alle dort Kurse machen können – nicht nur für Englisch, das sie für den Beruf brauchen, sondern auch andere Sprachen, zum Beispiel für den nächsten Urlaub. Für jeden und jede gibt es zwei Lizenzen, eine kann an die Familie, Freunde oder Partner weitergegeben werden.

Dieses neue und besondere Angebot steht nun in einer Reihe mit den klassischen Benefits, die das Unternehmen anbietet. Dazu gehört etwa das E-Bike-Leasing, aber auch andere Dinge aus dem betrieblichen Gesundheitsmanagement, wie Gesundheitskurse und die kostenlose Mitgliedschaft im Fitnessstudio.

AAC Kabelbearbeitungssysteme: Job-E-Bike
Sehr beliebt bei den Mitarbeitenden sind die E-Bikes mit Leasing-Vertrag. Foto: Melanie Zanin

„Wir haben viel angestoßen in den vergangenen Jahren“, sagt Britta Worbs. Das Zertifikat sei für das Unternehmen eine Art Belohnung für die Schritte, die es schon gemacht hat. Gleichzeitig habe es aber auch für neue Ziele gesorgt. In Zukunft wolle man zum Beispiel einzelne Personalgespräche einführen und gemeinsam mit den Mitarbeitenden persönliche Ziele formulieren. Eine große Herausforderung für die nächsten Jahre sei das Wissensmanagement bei denen, die das Unternehmen Richtung Rente verlassen. „Da wollen wir es schaffen, dass wir diese ruhigen Gewissens gehen lassen können.“

Mitarbeitendenzahl: 13 Mitarbeitende, davon 5 Frauen und 8 Männer

Seine wegweisende Unternehmenskultur hat sich das Unternehmen 2023 zertifizieren lassen und darf sich mit dem Titel HIER AUSGEZEICHNET ARBEITEN schmücken.


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