Diversity und Vereinbarkeit: eine echte Chance für Unternehmen

von Dorothea Körfers

Diversity und Vereinbarkeit, Dorothea Körfers

Studien belegen, dass Unternehmen, die Vielfalt wirklich ernst nehmen, nachweislich bessere Ergebnisse in Problemlösung, Forschung und Entwicklung erzielen. Diversity, das bedeutet Vielfalt im Sinne von Geschlecht, Alter, Nationalität, Herkunft, sexueller Orientierung, Religion, Behinderung und vielem mehr. In diesem Sinne unterschiedliche Menschen bringen unterschiedliche Erfahrungen, Kenntnisse, Fähigkeiten in ihre Arbeit ein – für ein Unternehmen von großem Vorteil. Vielfältige Teams gehen mit größerem wirtschaftlichem Erfolg einher, das belegen viele Studien. So heißt es im McKinsey-Report von 2020: „Unternehmen mit hoher Gender-Diversität haben eine um 25% und damit signifikant größere Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein.“ (Studie „Diversity Wins – How Inclusion Matters“)

Diversität und Vereinbarkeit

Ich leite das Kompetenzzentrum Frau und Beruf in Düsseldorf und Kreis Mettmann. Wir sind eines von insgesamt 16 Kompetenzzentren Frau und Beruf, die sich in ganz Nordrhein-Westfalen für eine höhere Erwerbstätigkeit von Frauen einsetzen. Unser Auftrag ist es, kleine und mittelständische Unternehmen durch eine zukunftsfähige, familienorientierte Personalpolitik zu stärken und bei der Fachkräftesicherung zu unterstützen. Wenn wir Fachkräfte sagen, dann meinen wir vor allem weibliche Fachkräfte. Und hier treffen sich Diversity und Vereinbarkeit.

Die größte Gruppe, mit denen wir dem Fachkräftemangel begegnen können, sind Frauen. Wer sich als Chef oder Chefin dafür öffnet, vermehrt Frauen einzustellen, kann auf einen wesentlich größeren Pool an qualifizierten Beschäftigten zugreifen. Vielfalt beginnt mit der Auswahl von weiblichen Fachkräften. Zusätzlich können sie dann alt oder jung, Mütter oder nicht, Alleinerziehend, Muslimin, lesbisch, mit Migrationshintergrund oder was auch immer sein. In jeder dieser Gruppen, die ein Team vielfältig machen, sind Frauen vertreten. Und da genügt es nicht, sein Firmenlogo in Regenbogenfarben anzustrahlen und Lippenbekenntnisse in die Welt zu senden. Es bedeutet, Frauen wirklich eine Chance im Unternehmen zu geben. Auch als Führungskraft, auch in Teilzeit.

Sorgearbeit bleibt den Frauen überlassen

Wer weibliche Fach- und Führungskräfte vermehrt einstellen und fördern will, muss dafür auch die Bedingungen schaffen. Und hier ist jedes einzelne Unternehmen gefragt. Denn immer noch sind es vor allem die Frauen, die die Sorgearbeit in den Familien übernehmen. Meist sind sie es, die sich um die Schule kümmern, um das Geschenk für den nächsten Kindergeburtstag, die Planung des Wocheneinkaufs, die Pflege der alten Mutter – all die großen und kleinen Dinge, die der Familienalltag einfordert. Was kümmert das aber Chef oder Chefin? Das sind doch Privatangelegenheiten. Ja und nein.

Maßnahmen für ein attraktives Arbeitsumfeld

Mit flexiblen Arbeitszeiten, Homeoffice und Führen in Teilzeit, Meetings innerhalb der Öffnungszeiten von Kindergärten schafft ein Unternehmen ein Arbeitsumfeld, das weibliche – und männliche – Fach- und Führungskräfte anzieht. Und sie an ihren Arbeitsplatz bindet. Viele Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, haben erkannt, welches Potenzial in Frauen und vielfältig aufgestellten Teams steckt. So fordert ein Düsseldorfer Autolackierbetrieb in seiner Stellenanzeige ausdrücklich dazu auf, sich „gern aus der Elternzeit“ heraus zu bewerben. Eine Schwangerschaft ist hier nichts Negatives, die Inhaberin stellt besonders gerne Mütter ein, da diese „besonders strukturiert und effizient arbeiten“.

Zertifikat HIER AUSGEZEICHNET ARBEITEN

Gemeinsam mit der IHK Düsseldorf haben wir im vergangenen Jahr das Zertifikat HIER AUSGEZEICHNET ARBEITEN ins Leben gerufen. Inhaber der Auszeichnung können sich als Arbeitgebende mit zukunftweisender, personalorientierter Unternehmenskultur präsentieren. Insgesamt 17 Unternehmen aus Düsseldorf und dem Kreis Mettmann sind bereits zertifiziert. Sie sind sich bewusst, dass sie etwas tun müssen, um den eigenen Bedarf an Fachkräften zu decken. Innerhalb des Zertifikatsprozesses geben sie viel Energie in den Veränderungsprozess. Sie bieten ihren Beschäftigten viele neue Maßnahmen an, eine verfeinerte innere Kommunikation und insgesamt mehr Selbstverständlichkeit im Umgang mit den individuellen Bedürfnissen ihrer Mitarbeitenden.

Alle Beschäftigten profitieren

Maßnahmen können ein Eltern-Kind-Büro sein, Hilfe bei pflegebedürftigen Angehörigen, ein gleitendes Arbeitszeitkonto und vieles mehr. Davon profitieren alle Beschäftigten, Männer wie Frauen. Besonders wichtig aber ist die Atmosphäre, die im Betrieb herrscht. Ist es wirklich selbstverständlich, wenn eine Mutter oder ein Vater den Arbeitsplatz einmal früher verlässt, um das Kind abzuholen? Ist die Führungskraft glaubwürdig, wenn es um Offenheit für familiäre Bedürfnisse einer Angestellten geht? Ist der Chef selbst ein Beispiel dafür, dass ihm seine Familie wichtig ist und zeigt er das auch in seinem persönlichen Handeln?

Das Engagement und die Begeisterung der Unternehmen, die den Zertifikatsprozess mitmachen, stimmen uns positiv. Auch wenn wir noch lange nicht am Ende sind, freuen wir uns, dass wir eine Tendenz zu mehr Chancengleichheit und Vielfalt erleben.

Hier die offizielle Webseite zum Tag der Diversität am 31. Mai.

Dieser Artikel ist im Januar 2022 in der Rheinischen Post erschienen.

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