Das war die zweite Förderphase

von Pia Windhövel

Mehr als 1.500 Unternehmen hat das Kompetenzzentrum Frau und Beruf Düsseldorf und Kreis Mettmann in den vergangenen drei Jahren erreicht. Themen waren unter anderen Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, betriebliche Kinderbetreuung und Female Recruiting. 

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) unterstützen, die dem Fachkräftemangel ein wirksames Instrument entgegensetzen möchten – nämlich eine familienorientierte Personalpolitik. Dadurch nicht nur die Betriebe stärken, sondern eben auch weibliche Erwerbstätige. Denn diese können in familienorientierten Organisations-Strukturen leichter Karriere machen. Das sind die Ziele der Landesinitiative Competentia NRW. Dazu sind vor sechs Jahren 16 Kompetenzzentren Frau und Beruf gegründet worden. Wir sind zuständig für Düsseldorf und den Kreis Mettmann.

Was macht die Region aus?

Leiterin Dorothea Körfers zur alten und zur neuen Förderphase im Kurzinterview.

Jedes Mal ein Neustart

Zu Beginn einer jeden Förderphase steht die Planung neuer Projekte. Mit den Erfahrungen der vorangegangenen Jahre entscheiden wir, welche Themen weiter besetzt werden sollten und welche Instrumente gut funktioniert haben, um diese Themen zu bespielen.

So haben wir festgestellt, dass viele KMU in unserer Region den zunehmenden Wunsch ihrer Beschäftigten, und vor allem der neuen Generation junger Nachwuchskräfte, Beruf und Familie miteinander besser vereinbaren zu können, mittlerweile respektieren. Dort können wir dann ansetzen und gemeinsam mit den Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern oder der Personalabteilung individuelle Angebote erarbeiten.

Diesem Prozess voran gegangen sind oft bereits ein Umdenken in der Geschäftsführung und gegebenenfalls ein Wandel in der Unternehmenskultur.

Dass familienfreundliche Angebote heute für viele Bewerberinnen und Bewerber entscheidend sind, hat sich im Bewusstsein der meisten Geschäftsführungen und Personalverantwortlichen also verankert. Daran knüpft sich der Erfolg eines jeden Unternehmens.

Ein weiterer Effekt des demografischen Wandels ist hingegen in der Arbeitswelt noch nicht allzu präsent: Immer mehr Menschen müssen ihren Beruf und die Pflege von Angehörigen miteinander vereinbaren.

Beruf und Pflege: Vereinbarkeitsthema der Zukunft

Unsere Aufgabe war es also zunächst, auf dieses Thema aufmerksam zu machen – zu sensibilisieren, wie wir das nennen. Das gelang uns vor allem über eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit. Zudem erstellten wir Informationsmaterial, wie unseren Pflege-Leitfaden für KMU, und schrieben einen Fachbeitrag. Beides schickten wir an die Unternehmen in unserem Verteiler.

Sie wollen in unseren E-Mail-Verteiler aufgenommen werden?
Anfrage sendenAnfrage senden

 

Hatten wir dadurch einmal die Brisanz des Themas vermittelt, konnten wir im nächsten Schritt die sensibilisierten Unternehmen bei der strategischen Entwicklung von Angeboten in ihren Betrieben begleiten. Zum Beispiel stellten wir interessierten KMU Roll-up-Banner zur Verfügung. Diese tragen die Aufschrift „Pflege hat viele Gesichter – wir unterstützen Sie bei der Vereinbarkeit“. Durch sie können Geschäftsführungen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darauf aufmerksam machen, dass sie eine Pflegeverantwortung nicht verschweigen müssen.

Lesen Sie zum Hintergrund dieses Projekts auch den Blog-Artikel „ Vereinbarkeit von Beruf und Pflege wir Thema für Unternehmen“.

Beim Thema Pflege war vor allem Stefanie Kühn aktiv. Hier geht’s zu ihrem Kurzinterview.

Beruflichen Wiedereinstieg gemeinsam planen

Wenn Beschäftigte Eltern werden, dann ist das für viele kleine Unternehmen eine besondere Herausforderung, denn eine Arbeitskraft fällt für einen ungewissen Zeitraum aus. Wenn die Geschäftsführung und die werdende Mutter aber frühzeitig gemeinsam nicht nur den Weggang in die Elternzeit, sondern auch den Wiedereinstieg planen, gelingt es oft die Mitarbeiterin im Unternehmen zu halten. Familienfreundliche Angebote unterstützen sie zudem dabei, schneller wieder ins Berufsleben und auf ihre alte Stelle zurückkehren zu können. Unser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie es gehen kann. Diesen haben wir an KMU in ganz Düsseldorf und dem Kreis Mettmann verschickt. Inhaltlich haben wir dabei mit unserem Partner „Netzwerk-W“ im Kreis Mettmann zusammen gearbeitet.

Wer noch einmal sehen möchte, wie Wiedereinstiegsplanung in der Praxis aussehen kann, bekommt einen Einblick durch unseren Beitrag in Competentia.tv.

Die Fachkräfte von Morgen

In das Themenfeld Vereinbarkeit von Beruf und Familie fielen in den vergangenen Jahren ebenfalls einige individuelle Beratungen in Unternehmen – und anschließende Erfolgsgeschichten dieser. Zum Beispiel haben wir eine Düsseldorfer Agentur mit rund 70 Mitarbeitenden bei der Einrichtung ihres Eltern-Kind-Büros begleitet. Wir konnten einer Zahnarztpraxis und einem Elektrobetrieb die Teilzeitberufsausbildung für junge Eltern vorstellen, die daraufhin jeweils Auszubildende gefunden haben. Und schließlich haben wir ein kleines aber feines Netzwerk gestartet, den Wirkungskreis Innovative Personalpolitik – kurz WIP. Die darin aktiven Unternehmen haben nicht nur gemeinsam mit uns familienfreundliche Maßnahmen entwickelt, sondern diese teilweise bereits in ihren Unternehmen verankert. In regelmäßigen Treffen tauschten sie sich unter fachlicher Anleitung untereinander aus und besserten nach, wo es Bedarf gab. Diese Art des direkten Austauschs für und mit Unternehmen möchten wir in der nächsten Förderphase weiter vertiefen.

Schwierige Frage, einfache Antwort

Der Grund, warum sich KMU mit dem Thema Vereinbarkeit auseinandersetzen, ist im Grunde immer der knallharte Wettbewerb um Fachkräfte. Über allem steht stets die Frage: Wie kann ich mich als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber attraktiv machen, damit die Talente zu mir kommen und bei mir bleiben? Durch Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die konkrete Ansprache und aktive Förderung von Frauen im Unternehmen – das ist unsere Antwort. Zahlreiche Studien untermauern diese Herangehensweise an den Fachkräftemangel.

Zur Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): „Mütter kehren schneller zu familienfreundlichen Arbeitgebern zurück“.

Wer das Potential weiblicher Fachkräfte verschenkt, weil er sie nach der Elternzeit auf niedrigere Positionen verweist, keine Unterstützung bei der Kinderbetreuung anbietet oder den Aufstieg weiblicher Führungspersönlichkeiten bremst, der verspielt Chancen auf Talente. Im Übrigen nicht nur auf weibliche. Auch für Männer sind Unternehmen mit einer offenen, gleichheitsfördernden und familienfreundlichen Personalpolitik attraktiver. Das wurde wieder deutlich, als Prof. Dr. Alexander Cisik von der Hochschule Niederrhein uns im Interview bei Competentia.tv seine Studien zu Arbeitgeberattraktivität vorstellte.

Prof. Dr. Alexander Cisik spricht über attraktive Arbeitgeber.

Webinare und virtuelle Events

Weil wir das Argument „Wir wollen ja Frauen einstellen, es bewerben sich aber keine“ nicht gelten lassen, haben wir in der vergangenen Förderphase zudem auf die Themen Employer Branding und Female Recruiting gesetzt. Esther Buchholz hat sich intensiv in dieses Feld eingearbeitet. Hier geht es zu ihrem Kurzinterview.

Auch bei diesen Themen war es wichtig, zunächst einmal über verschiedene Kanäle zu informieren. Dazu nutzen wir Fachbeiträge in der Inforeihe, Competentia.tv sowie unsere Facebook-Seite. Im zweiten Schritt entwickelte Esther Buchholz, nach einer virtuellen Messe 2016, eine Webinar-Reihe mit dem Titel „HR-Impulse um 11“ sowie ein Web Event „Recruiting neu gedacht“. In Kooperation mit wirklich tollen Referentinnen konnten wir den teilnehmenden Personalverantwortlichen konkrete Tipps zur Umsetzung in den Unternehmen geben und direkt auf Fragen eingehen. Diese Art der virtuellen Beratung werden wir in der nächsten Förderphase weiterentwickeln.

Frauen, vernetzt euch!

Ein Dauerbrenner, der seit der ersten Förderphase des Kompetenzzentrums Frau und Beruf immer weitergeführt wurde, ist das Frauen-Wirtschaftsforum women2BUSINESS. Eine Veranstaltung für Geschäftsführerinnen, Unternehmerinnen und Frauen, die Karriere machen möchten. Von Beginn an arbeiten wir dabei  mit der IHK Düsseldorf zusammen. Die women2BUSINESS, zu der jedes Jahr über 100 Frauen kommen, wird uns auch in den nächsten Jahren erhalten bleiben, wenn auch in veränderter Form. Organisatorin Pia Windhövel dazu im Kurzinterview.

Was können wir für Sie tun?

Abschließend können wir sagen, dass es drei intensive Jahre waren, in denen wir uns stets bemüht haben, die richtigen Themen für Unternehmen zu setzen, die Fachkräfte suchen und halten möchten. Dazu haben wir uns und unsere Projekte stets kritisch hinterfragt und auch mal nachgebessert, wenn wir gemerkt haben, dass das eine oder andere Angebot nicht so sehr auf Interesse stößt, wie wir zunächst dachten.

Wir möchten Sie, liebe Unternehmerin, lieber Unternehmer dazu ermutigen, uns jederzeit zu kontaktieren und uns über Ihre Probleme, Sorgen, Wünsche beim Thema Fachkräftesicherung  zu berichten. Nur so können wir Sie umfassend unterstützen, denn unser Auftrag ist es, für Sie und Ihr Unternehmen zu arbeiten. Dazu vertraut man uns EU-Fördergelder an, damit Sie auch in Zukunft mit leistungsstarken und motivierten Beschäftigten am Markt punkten können. Denn eines ist klar: Unsere Arbeit geht weiter. Mindestens bis zum Frühjahr 2022.

Inside Competentia:

Was macht eigentlich eine Team-Assistenz im Kompetenzzentrum, Valerie Bauer?

ZURÜCK